Andere Pflanzenfresser - Vergleich der Zyklen

 

Schneehuhn - Lemming (Norwegen)

In Norwegen folgt das Schneehuhn dem drei- bis vierjährigen Lemmingzyklus (Tab.4), während es in Nordamerika mit dem neun- bis zehnjährigen Hasenzyklus synchronisiert ist. Eine Klimafaktorenbeeinflussung ist also unwahrscheinlich, da keine Konformität der Zyklen zu erkennen ist. Außerdem liegt ohne Nagerperiodizität auch keine zyklische Fluktuation der Hühner vor.

 Lemmus sibiricus (brauner Lemming)  Lagopus lagopus (Schneehuhn)
 1879/80 1880 
 1883/84  1883
 1887/88  1887
 1890/91  1891
 1894/95  1895
 1897  1897
 1902/03  1903
 1906  1906
 1909/10  1908/09

Tab. 4. Maxima des Auftretens von Lemming und Schneehuhn in Südnorwegen. (nach Schwerdtfeger, 1978)

Der Hühnerzyklus wird durch die Ernährungsmöglichkeit der Räuber gesteuert. Während eines Lemmingmaximums bleiben die Hühner verschont, liegt aber ein Lemmingminimum vor, so weichen die Räuber auf die Hühner aus, d.h. der Feinddruck auf die Hühner wird erhöht (Schwerdtfeger, 1978 und Remmert, 1980).

 

5.Beutewechsel

Abb. 5. Zusammenhang zwischen Nagetier-, Räuber- und Hühnerzyklen.

 

 

Schneeschuhhase - Luchs (Nordamerika) (6/05 geändert; nach Townsend, Harper,Begon: Ökologie. Springer 2003)
(Arbeitsblatt 3)

9.SSH - Luchs

Abb. 9 (s. Arbeitsblatt 3)
Vergleich der Populationsdichteschwankungen von Schneeschuhhase (Beute) und Luchs (Räuber) der nordamerikanischen Taiga nach Pelzeingängen der Hudson´s Bay Company. (MacLulick 1937, zit. aus Bick, 1993)

Der Schneeschuhhase (Lepus americanus) lebt in den borealen Wäldern Nordamerikas. Alle 8 bis 11 Jahre tritt ein Populationsmaximum auf. Der Schneeschuhhase ist der dominante Herbivore der Region, er ernährt sich vornehmlich von Endtrieben verschiedener Büsche und kleiner Bäume. Sein Hauptfeind ist der kanadische Luchs (Lynx canadiensis). Der Luchszyklus folgt dem des Hasens zeitlich verzögert. Haben beide Populationen ein Minimum erreicht, erholt sich die Hasenpopulation schneller. Das entspräche den Volterraschen Gesetzen und einem Paradebeispiel für einen Räuber-Beute-Zyklus.

Aber ...
Die Populationsrückgänge werden von tiefen Geburtenraten, geringer Überlebenswahrscheinlichkeit, großem Gewichtsverlust und geringen Wachstumsraten begleitet. Alle diese Erscheinungen können experimentell durch Futterknappheit hervorgerufen werden - sprechen also eher gegen einen Zyklus "Luchse-Hasen". Auch Freilanduntersuchungen lassen darauf schließen, dass Einschränkungen des zugänglichen - qualitativ hochwertigen Futters vorkommen: Während eines Hasenmaximums reagieren die Pflanzen auf die starke Beweidung mit der Produktion von Trieben mit einem höheren Toxingehalt, so dass sie ungenießbar werden. Die Hasen sind gezwungen auf minderwertige Nahrung auszuweichen und mehr Zeit für in Nahrungssuche zu investieren. Das erhöht die Gefährdung durch Räuber.

Die einseitige Interpretation der Abb 3 als klassische Räuber-Beute-Beziehung zwischen Hasen und Luchsen greift damit zu kurz! Die Schwankungen der Hasenpopulation ist nicht nur als Rückwirkung der erhöhten Räuberpopulation zu sehen.

Experimente und verfeinerte Analysen der obigen Abbildung lassen vermuten, dass die zyklischen Schwankungen der Luchspopulation auf die Interaktion mit den Hasen zurückzuführen ist, während die Zyklen der Hasenpopulationen auf einer Interaktion der Hasen mit Nahrung und Prädatoren beruht.

 

Schneeschuhhase - Rauhfußhuhn
Mit dem Schneeschuhhasenzyklus synchronisiert ist auch der Rauhfußhühnerzyklus. Während eines Hasenmaximums ist der Feinddruck auf die Hühner nur gering. Bricht die Hasenpopulation zusammen, ernähren sich ihre Feinde zum Teil von Rauhfußhühnern, so dass auch deren Populationsdichte zurückgeht.

 

Schneeschuhhase - Kragenhuhn (Kanada)

10.SSH-Kragenhuhn u.a.

Abb. 10 (s. Arbeitsblatt 3)
Fluktuationen der relativen Biomasse der wichtigsten Komponenten eines zehnjährigen Wildzyklus in alberta, Kanada. Die Pfeile deuten die wesentlichen ursächlichen Einflüsse an. (Begon, 1992)

Insgesamt ist der Schneeschuhhasenzyklus dem der Lemminge sehr ähnlich, sowohl was die Ursachen angeht, als auch was seine Auswirkungen auf Räuberpopulationen bzw. andere Herbivore betrifft (Begon, 1992).